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Da nich für...!
Pünktlich um 9.10 Uhr verließ der IC 2500 den Kölner Hauptbahnhof. Anläßlich
des Eminem-Konzerts machte ich mich zusammen mit Daniel auf den Weg nach
Hamburg. Die Fahrt verlief weitgehend ruhig, wenn man von den drei Damen absah,
die direkt neben uns saßen. Nachdem sich die anfängliche Aufregung, ob denn wohl
die Dritte im Bunde pünktlich in Düsseldorf den Zug erreichen würde (hatte sie
zum Glück - ich will gar nicht daran denken, was sonst los gewesen wäre),
wechselten die Themen zwischen den Nachbarn über die Schreib-Lese-Schwäche des
Sohnes bis zur Faszination von Toilettensitzen in öffentlichen WCs. Nicht
besonders spannend. Daniel und ich lasen gemütlich Zeitung, blätterten in
unseren Reiseführern und amüsierten uns über die Drei, die nach jedem
Toilettengang eifrig ihre Hände mit übelriechenden Erfrischungstüchern und
Sagrotan bearbeiteten. Ich könnte wetten, sie waren zum ersten Mal alleine mit
dem Zug unterwegs.
In Hamburg angekommen, stolperten wir vor dem Hauptbahnhof zuallererst völlig
unvorbereitet in den Zug des Christopher-Street-Days. Damit
erklärte sich langsam auch die Frage der Dame bei der Buchung des Hotelzimmers,
ob wir zu einem bestimmten Event nach Hamburg kämen (das Zimmer hatte übrigens
Daniel direkt vor Ort gebucht...). Wir beobachteten eine ganze Weile das bunte
Treiben, völlig fasziniert von den schrillen Gestalten, die durch Hamburgs
Straßen zogen. Da das Wetter allerdings nicht ganz so heiß und sonnig wie in
Köln war und wir ja noch einiges vorhatten, fuhren wir nach etwa einer Stunde
mit der S-Bahn zum Hotel, natürlich nicht ohne vorher noch ein paar Bilder zu
machen.
Im Hotel
Gastwerk angekommen, verschlug es mir zunächst mal
für eine Weile die Sprache (sehr angenehmer Zustand, sagt Daniel). Das Hotel war
wirklich herrlich, total geschmackvoll eingerichtet, völlig anders als sämtliche
08/15-Vier-oder-Fünf-Sterne-Hotels, die wir bisher gesehen hatten. Auf einem
alten Fabrikgelände waren die einzelnen Fabrikgebäude ausgesprochen ansehnlich
wieder hergerichtet worden. Neben dem Hotel gab es noch ein Fitnesscenter, eine
Unternehmensberatung, Arcor hatte ein Gebäude dort bezogen, in der Mitte lag ein
kleiner netter Teich und auf der anderen Seite rundete eine Einkaufszeile das
ganze ab. Sogar der Aldi sah irgendwie stylish aus.
Im Hotel selber wirkte alles äußerst elegant, sehr minimalistische
Einrichtung, jedes Detail genau abgestimmt, so daß das gesamte Hotel eine
ausgesprochen angenehme Atmospähre verbreitete. Zum ersten Mal fühlte ich mich
in einem so schicken Hotel mit meinem Outfit auch nicht unwohl, da hier kaum
Anzugsträger unterwegs waren. Am Empfang und in der Bar standen große Schalen
mit Gummibärchen, es gab immer frisches Obst und auf dem Zimmer standen
Erdbeeren mit Zucker für uns bereit. Ich glaube so oft wie in diesem Hotel
wollte Daniel noch nie 'nur kurz was am Empfang klären'; ich bin ja fest davon
überzeugt, er nutzte nur jedes Mal die Gelegenheit, sich wieder einen Schwung
Gummibärchen einzuverleiben. In der Business Lounge konnte man im Internet
surfen oder auf dem superbequemen Relax-Sessel abhängen und dazu die passende
Musik hören. Unser Zimmer (Loft im 5. Stock) bestand aus einem großzügigen Raum
mit sehr großen, hohen Fenstern (ich mußte zum Öffnen sogar auf die Fensterbank
steigen), mit unverputzten Mauern, einem begehbaren Kleiderschrank und natürlich
einem Badezimmer, alles mit schlicht-eleganter Einrichtung. Ich wollte gar nicht
mehr hier weg. Wären wir nicht in Hamburg gewesen, hätte ich das Hotel
wahrscheinlich keine Sekunde verlassen. Ich freute mich jedenfalls schon jetzt
auf das Frühstück.
Zuerst aber gab es mal Mittag- bzw. Abendessen. Von seiner Schulung, die
Daniel hier im Hotel Gastwerk gehabt hatte, kannte er ein kleines nettes Lokal,
das Einstein ganz
in der Nähe, in dem man sehr günstige Pasta bekommt. Mit so einem Riesentopf
Spaghetti kann man mir ja schon eine richtig große Freude machen...!
Satt und zufrieden fuhren wir mit der S-Bahn wieder Richtung Innenstadt zum
Jungfernstieg, bummelten die Binnenalster entlang und verschaften uns einen
ersten Eindruck von Hamburg. Ich war gleich völlig begeistert und wir machten
Pläne, was wir am Sonntag und Montag noch alles unternehmen wollten. Ich glaube,
wir planten Programm für die nächsten drei Wochen! Abends waren wir noch im
Kino, haben uns endlich
Matrix
Reloaded
angesehen, was wir in Köln schon eine Weile vergeblich versucht hatten, nur
leider kam immer wieder irgendetwas dazwischen.
Am nächsten Morgen gab es erst einmal ein ausgiebiges Frühstück mit
Croissants, verschiedenen Brötchen, Laugenstangen, Obst, Wurst, Käse, Ei,
Joghurt, Müslie, Tee, Säfte.....alles was man so zum Frühstücken braucht.. Als
wir hinterher noch eine Weile im Foyer saßen und abwechselnd die schicken
Toiletten aufsuchten, kam Detlef Dee! Soost zum Auschecken an
den Empfang. Eigentlich wollte ich ihn ja fragen, ob er aus mir auch einen
Popstar machen könnte, nur leider kam ich nicht rechtzeitig aus meinem
gemütlichen Ledersessel hoch.
Für unseren 2. Tag in Hamburg hatten wir geplant, die
Elbchaussee entlang zu wandern. Wir begannen im schicken
Villenviertel von Blankenese. Die Häuser dort können sich schon sehen lassen,
keine Frage. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus. Der Bummel an der Elbe
entlang war sehr entspannend und gemütlich, wir beobachteten sowohl die kleinen
Sportflitzer als auch die großen Lastkähne, die an uns vorbeizogen, genossen
das herrliche Wetter und die schöne Gegend. Am Strand von Övelgönne machten wir
kurz Rast, aßen und tranken etwas, sahen den Wellen zu, die in der Sonne
glitzerten und beobachteten die Leute, die hier den schönen Tag an der Elbe
genossen. Besonders gut gefielen uns die kleinen ehemaligen Kapitäns- und
Lotsenhäuser mit ihren liebevoll gepflegten Gärtchen, die auf jeden Fall einen
Abstecher lohnen. Unsere Reiseführer empfahlen die Tour an der Elbchaussee
entlang übrigens beide von St. Pauli Richtung Blankenese. Wir liefen genau in
die entgegengesetzte Richtung, was sich als die bessere Entscheidung erwies: So
mußten wir die zahlreichen Treppen der Himmelsleiter nur runterlaufen statt
hinauf. Ich muß vielleicht noch hinzufügen, daß wir nicht die ganzen 10
Kilometer der Tour gelaufen sind. Zwischendurch gab es immer wieder die
Möglichkeit, kurze Strecken mit dem Bus zu fahren, was wir dann auch an den
weniger sehenswerten Ecken getan haben. Anschließend schauten wir uns noch ein
bißchen bei den Landungsbrücken
um und 'unterquerten' zu
Fuß die Elbe durch den alten Elbtunnel, der wirklich sehenswert ist. Im
Nachhinein hatten wir uns auch überlegt, daß die ganze Strecke mit dem Fa hrrad
sehr reizvoll sei und beschlossen, uns das für den nächsten Besuch zu
merken.
Als wir von den Landungsbrücken zurück zum Hotel fahren wollten, wurden wir
mit dem 2. Bombenalarm an diesem Wochenende konfrontiert.
Aufgrund eines gefundenen Koffers war der Bahnhof Hamburg Altona für den
Zugverkehr komplett gesperrt, so daß wir auf Umwegen und mit dem Bus wieder
zurück zum Hotel fuhren, um uns für das Eminem-Konzert
umzuziehen. Da in unserem Wochenend-Special des Hotels auch
zwei Taxi-Gutscheine enthalten waren, konnten wir uns aber ganz ohne Hektik zur
AOL-Arena fahren lassen (Originalton des Taxifahrers: Zur
AOL-Arena? Spielt da nicht heute der Ännimän? .....). Dort
herrschte schon dichtes Gedränge, so daß wir erst noch eine ganze Weile draußen
anstehen mußten. Immerhin erwischten wir drinnen noch einen ganz guten Platz
direkt hinter der ersten Absperrung und ich war mit meiner Situation ziemlich
zufrieden. Mehr als unschön war allerdings, daß die Ordner in der 1. Pause auf
die glorreiche Idee kamen, die Absperrung ein Stück nach hinten zu verschieben,
damit die Leute im vorderen Teil des Stadions noch viel mehr Platz und wir dafür
umso weniger hatten. Unsere guten Plätze mußten wir in dem danach entstehenden
Gedrängel ziemlich schnell wieder aufgeben und ich fing an, leichte Aggressionen
gegen meine Mitmenschen zu entwickeln. Ich denke, ich bin wahrscheinlich einfach
konzertuntauglich, da mir brennende Zigarettenkippen an meinen Händen
sowie senfverschmierte Schnurrbärte oder Achselschweiß im näherem Umkreis von 50
Metern einfach furchtbar unangenehm sind. Gleiches gilt für pubertierende
Mädels, die sich vor lauter Aufregung die Warzen an ihren Fingern blutig beißen.
Igitt! Schon gar nicht mag ich es ja, wenn sich jemand mit dem Ellbogen auf
meiner Schulter abstützt. Damit das klar ist: Außer Daniel darf das
grundsätzlich NIEMAND. Der Typ neben mir hat das auch schnell kapiert. An diesem
Abend vergaß ich meine gute Kinderstube völlig! Leider war der Anteil an
Vertretern aus der Proll- und Rüpelfraktion nicht gerade klein, aber mal
ehrlich, was hab ich eigentlich erwartet auf einem Eminem-Konzert? Sehr
unterschiedlicher Meinung kann man natürlich auch über Achselbehaarung bei
Frauen sein. Bei der Frau, die kurzfristig neben mir stand, dachte ich aber
wirklich, der Pelz unter ihren Armen müßte jeden Moment davonlaufen. Bei diesem
Anblick habe ich selber freiwillig das Weite gesucht.
Bis zur 2. Pause hatten wir uns wieder erfolgreich zur Absperrung
vorgekämpft. Aufgrund von Ohnmachtsanfällen oder wagemutigen Fans, die sich an
den Ordnern vorbei vor die Absperrung zwängten, um postwendend durch die
Seiteneingänge wieder rausgeschmissen zu werden, wurde es vor uns langsam wieder
etwas lichter. In der 2. Pause beschlossen die Ordner allerdings, für die Fans
vor der Absperrung, die ja sowieso schon in der wesentlich besseren Position
waren, noch einen Würstchenstand vor die Absperrung zu holen. Dafür mußte aber
erst Platz gemacht werden, so daß wir recht schnell wieder an Land verloren. Das
Gedränge war einfach unerträglich. Meine Wut auf die Ordner ebenfalls. Hatte ich
nicht auch 52,- Euro für meine Karte gezahlt? Genauso wie die Leute vor der
Absperrung? Nun gut. Mit permanentem Auf-die-Füße-treten und Ellenbogenausfahren
arbeiteten wir uns trotzdem wieder nach vorne, allerdings nur, um dann zu Beginn
des eigentlichen Konzerts mit Eminem und 50 Cent völlig entnervt unseren Platz
in der ersten Reihe kampflos aufzugeben. Inmitten von völlig enthemmten
Eminem-Fans war es hier nicht mehr auszuhalten. Das Konzert haben wir dann aber
trotzdem noch genossen. So etwa in der vorletzten Reihe des Stadions. Wirklich
froh waren wir hinterher über den zweiten Taxigutschein, da wir beide kaum noch
laufen konnten und abends nur noch totmüde ins Bett fielen.
Am nächsten Morgen gab es wieder ein leckeres Frühstück, Zeitungen zum
Mitnehmen, Gummibärchen als Nachtisch....Ich war mit meiner Umwelt wieder völlig
versöhnt! Nur von dem tollen Hotel hab ich mich schweren Herzens getrennt. In
der Stadt haben wir uns mit einer Hafenrundfahrt noch einen
schönen Eindruck von Hamburg verschafft. Als Schwabe ist so ein Hafen für mich
ja eine völlig andere Welt, aber wirklich sehr beeindruckend. Leider konnten wir
die Speicherstadt nur von außen begutachten, aber das war schon
sehr sehenswert. Beim nächsten Mal mehr!
Den Rest des Tages verbrachten wir mit Shoppen in ein paar sehr netten Läden
in der Innenstadt. Besonders
erwähnenswert ist hier JUN Guys
& Dolls am Gänsemarkt mit schicken Klamotten
und ausgesprochen nettem und hilfsbereitem Personal, was man vom schräg
gegenüberliegenden TATE nicht gerade behaupten kann. Die leicht
blasierten Gesichter der Verkäuferinnen nahmen mir ziemlich schnell den Spaß am
Einkaufen, so daß wir uns hier nicht länger aufhielten. Unser letzter Abstecher
führte uns dann mehr oder weniger zufällig noch zur
Sternschanze, meiner Meinung nach aber die deutlich coolere
Gegend zum Einkaufen, wirkt dieser Teil Hamburgs im Vergleich zum eleganten
Jungfernstieg, den Colonnaden und der Ecke Neuer Wall doch wesentlich
bunter, hipper und multikultureller. Leider blieb uns für die Läden hier nicht
mehr allzuviel Zeit, für ein paar Schuhe bei Sisterhood hat es aber dennoch gereicht. Und für ein schnelles Mittagessen beim Chinesen.
Für den Rückweg hatten wir übrigens noch günstige Tickets für den
Metropolitan erwischt, ein ausgesprochen angenehmer Zug und die
Wahrscheinlichkeit, hier einem stark alkoholisierten Kegelclub über den Weg zu
laufen, der einem dann die gesamte Zugfahrt vermiest, ist ausgesprochen gering.
Die Ausschreitungen am Abend anläßlich des Bundeswehr-Gelöbnis auf dem Rathausmarkt haben
wir zum Glück nicht mehr mitbekommen. Gegen 23.00 Uhr waren Daniel und ich
wieder in Köln....bereits mit neuen Plänen für den nächsten Hamburg-Trip!
Auf der Rückfahrt im Metropolitan
las ich zufällig noch einen alten Artikel im jetzt.de
der Süddeutschen Zeitung über die Metropole Hamburg, in der der
Satz 'da nich für' immerhin als wichtigster Satz für die Stadt genannt
wurde. Kann mir eigentlich mal einer sagen, was das heißt?
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