3. Tag
(Freitag, 11.07.2003): Von Mornas über Orange nach Villeneuve-lès-Avignon
Heute
war Markt in Saint-Laurent-des-Arbres, den wir uns unbedingt ansehen wollten.
Daher standen wir relativ zeitig auf und machten uns auf den Weg in die ....
Innenstadt ist wohl das falsche Wort. Wir marschierten einfach Richtung
Dorfplatz und fanden dort auch das, was wohl der Markt sein sollte: Es gab
einen Stand mit Fisch, einen mit Fleisch, einen mit Käse und an einem weiteren
wurden Obst und Gemüse verkauft. Außerdem gab es noch eine Art mobilen Mister
Minit. Mit der Marktbesichtigung waren wir also recht schnell wieder fertig.
Allerdings war es ein recht ungewöhnliches Gefühl, als einzigster Tourist an
den Ständen entlang zu schlendern. Als uns auf dem Rückweg drei Mädels
entgegenkamen, so ca. im Alter von 14-15 Jahren, merkten wir auch gleich
deutlich, wie wir gründlich von oben bis unten gemustert wurden. Wir kauften
beim Bäcker wieder zwei Croissantes und ein Baguette und nahmen gemütlich unser
Frühstück auf dem Balkon ein.
Danach
machten wir uns auf den Weg nach Mornas nördlich von Orange. Dabei handelte es
sich um ein kleines Dorf mit schiefen, aber hübschen Häuserzeilen und einer
historischen Altstadt. Während ich noch die Gelegenheit nutzte, eine
öffentliche Toilette aufzusuchen und mich in dem Moment, als ich die Türe
öffnete, an die französischen Plumpsklos erinnerte, die ich in meiner Kindheit
immer so gefürchtet hatte (ich hatte
wirklich Angst, ich könnte hineinfallen), hatte Daniel entdeckt, daß es
sich bei dem vermeintlichen CD-Wechsler in Wirklichkeit um ein
Navigationssystem handelte. Als er dann noch herausfand, wir man es auf deutsch
umstellen konnte, war sein Spieltrieb erweckt. Allerdings bekamen wir schon in
Orange Streit, da das Navigationssystem mir sagte, ich solle die 2. Straße
rechts abbiegen, während Daniel mehrmals rief, ich solle weiter nach links
fahren. Ich folgte dem Navigationssystem und wir verloren ein wenig den Spaß an
der ganzen Sache.
Schließlich
erreichten wir aber dennoch unser Ziel, den Arc de Triomphe. Entgegen der Aussage unseres Reiseführers gab es
ausreichend - und kostenlose - Parkplätze, um das Auto abzustellen und sich den
Triumphbogen aus der Nähe anzusehen. Etwas irritierten uns allerdings die
herumlungernden Jugendlichen, die Daniel sofort als als Touristen getarnte
Kleinkriminelle identifizierte. Wir suchten daher relativ schnell wieder das
Weite. Als nächstes stand das römische Theater auf dem Programm. Nachdem wir
zuerst noch überlegten, ob der recht hohe Eintrittspreis von 7,50 Euro pro
Person gerechtfertigt sei, waren wir ganz überrascht, als die Kassiererin mit
einem Blick auf Daniels ec-Karte etwas von "reduction" murmelte und uns
kurzerhand nur 11,00 Euro abrechnete. Mit einem Audioguide versehen starteten
wir unsere Runde durch das Theater. Ehrlich, der Eintritt hatte sich schon
gelohnt, sehr imposant, neben einem weiteren Theater in Syrien und einem in der
Türkei das besterhaltenste römische Theater
in Europa. Dazu lieferte der Audioguide interessante Informationen.
Nach
dem Besuch des Theaters bummelten wir noch ein wenig durch die Altstadt von
Orange. Aufgrund der Hitze war ein Eis dringend angebracht. Dabei entdeckten
wir einen öffentlichen Brunnen, indem sich so ca. 5-6 Hunde tummelten, ein sehr
lustiger Anblick. Ich erstand noch ein paar nicht besonders schicke, aber bei
der Hitze extrem praktische Trekkingsandalen. Ich war wirklich überrascht, mit
welcher Gelassenheit die Verkäuferin den Geruch meiner Füße beim Probieren der
Schuhe ertrug. Danach mußte ich aber wenigstens an den Füssen nicht mehr
schwitzen. Wie wir außerdem feststellten, sind Crêpes, die ich ja wahnsinnig gerne esse, hier in Frankreich
ausgesprochen günstig. Was sprach also dagegen, einmal ein original
französisches Crêpes zu probieren?
Offensichtlich einiges, denn zuerst war die Gasflasche leer, so daß wir nach
einer Viertelstunde einen erneuten Versuch machten. Dabei ließ das Mädel -
offensichtlich nicht die professionelle Crêpesbäckerin
- den Teig anbrennen. Beim 3. Versuch fiel ihr nur noch der Zucker herunter,
aber immerhin bekam ich endlich meinen Pfannkuchen. Er war sehr lecker, nur bei
den Zutaten gibt es offensichtlich noch einige Marktlücken, denn Zimt, Apfelmus
oder Bananen wurden nirgends angeboten. Ob ich vielleicht Crêpesbäcker in der Provence werden könnte?!?
Unser
letzter Abstecher führte uns nach Villeneuve-lès-Avignon und dort direkt zum
Fort St-André. Nach einem
kurzen Marsch hinauf zur Spitze wurden wir mit einem herrlichen Blick auf das
gegenüber am anderen Rhôneufer
liegende Avignon mit dem
Papstpalast und dem Turm
Philippe le Bel belohnt. Durch
das Fort spazierten wir noch kurz hindurch, nur leider waren die Gärten schon
geschlossen (geöffnet bis 18.00 Uhr). Wir wanderten wieder zurück, um der
weiter unten direkt am Parkplatz liegenden Chartreuse du Val de Bénédiction einen Besuch abzustatten, einer
wunderschönen Klosteranlage, in der heute offensichtlich viele Künstler wohnen
oder ihre Galerien haben.
Danach
ging es zurück nach Saint-Laurent-des-Arbres, wo ich erst einmal damit
beschäftigt war, meine völlig durchgeschwitzten Klamotten auszuwaschen.
Ach
ja, Plumpsklos finde ich mittlerweile übrigens ganz praktisch, da sie mangels
Klopapier selten verstopft sind und man sich die Hände nicht an irgendwelchen
unhygienischen Handtuchhaltern abtrocknen muß. Die gibt es dort in der Regel
nämlich nicht.