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Mit zunehmendem Alter...

Als ich noch ein kleines Mädchen war, so mit ca. 10 Jahren, habe ich meiner Lieblingstante wahnsinnig gerne Briefe geschrieben. Natürlich geschah das nicht in erster Linie, weil ich selber so wild darauf war, Briefe zu schreiben, sondern weil ich fest darauf hoffte, zügig eine Antwort von ihr zu bekommen. Meine größte Freude war, wenn ein Brief für mich im Briefkasten lag. Jeden Mittag lief ich ganz ungeduldig zum Briefkasten in der Hoffnung, endlich wieder einen eigenen Brief zu bekommen, der an mich adressiert war, den ich selber öffnen konnte und den außer mir keiner lesen durfte. Nun haben leider Erwachsene vermeintlich nicht so viel Zeit wie zehnjährige Mädchen, so daß ich auf eine Antwort meiner Lieblingstante doch häufig ziemlich lange warten mußte. Manchmal rief sie mich auch an. Das war für mich immer am schlimmsten, meinte die Tante doch, damit ihrer Pflicht zum Antworten entbunden zu sein. Jetzt war ich wieder an der Reihe mit Schreiben, ohne wirklich einen Brief von ihr erhalten zu haben. Nur ein Telefonat, daß man aber hinterher nicht noch einmal stolz durchlesen und in einer großen Kiste aufbewahren konnte. Überhaupt konnte ich mir am Telefon damals noch gar nicht so gut überlegen, was ich meiner Tante alles erzählen wollte, wie das in einem Brief möglich ist. Ich schrieb ihr immer, daß es mir gutging, was ich in der Schule für Noten bekommen hatte, daß sie mir doch bitte schnell antworten und vor allem die Briefmarken wieder zurückschicken solle, weil ich die damals immer sammelte. Dazwischen erzählte ich ihr noch ein bißchen von der Familie, über wen ich mich gefreut oder geärgert hatte, wie das Wetter bei uns war und wie es unserem Hund ging.

Das alles ist jetzt etwa 20 Jahre her. Mittlerweile habe ich selber kleine Nichten und Neffen. Allerdings wohnten sie bis vor 1 1/2 Jahren noch ganz in meiner Nähe, so daß ich sie recht häufig besuchen, mit ihnen spielen und plaudern konnte. Jetzt wohne ich so ca. 450 Kilometer entfernt, so daß wir uns zwangsläufig nicht mehr oft sehen können. Nun erhielt ich kürzlich einen Brief von meiner ältesten Nichte. Sie wird dieses Jahr 10 Jahre alt. In ihrem Brief schrieb sie mir, daß es ihr gutgeht und sie hoffe uns auch. Sie erzählte mir, daß sie in der Schule Zeugnisse erhalten hatten und schrieb mir zu jedem Fach ihre Note auf. Am Ende des Briefes bat sie mich noch, ihr doch bitte auch einen Brief zu schreiben und darin die Briefmarken zurückzuschicken. Ich wurde etwas nachdenklich, weil ich an die Briefe denken mußte, die ich früher meiner Tante geschrieben hatte. Und plötzlich fühlte ich mich sehr, sehr alt.

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