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Geschichten
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Index > Geschichten > Eigene Geschichten > In Köln > Menschen in der Straßenbahn |
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Menschen in der Straßenbahn Erwähnte ich eigentlich schon, daß man die schrägsten Leute oftmals in der Straßenbahn trifft? Kürzlich fuhr ich mit der Linie 3 zum Neumarkt, als an der Messe eine sehr dicke, häßliche Frau mit fettigen Haaren einstieg. Sie setzte sich zwei Plätze naben mir, allerdings schenkte ich ihr vorläufig keine Beachtung. Das blieb auch so, als sie plötzlich laut und vernehmlich 'Verdammt noch mal' sagte und dann versuchte, mit dem Mann gegenüber ein Gespräch zu beginnen. So etwas ist nicht weiter ungewöhnlich, denn schließlich sind wir in Köln, wo eigentlich kaum einer Hemmungen hat, so ohne weiteres fremde Leute anzuquatschen. Außer es sind zugezogene Schwaben. Der Mann, eher ein zugezogener Grieche, aber vielleicht ein schwäbischer, war sichtlich nicht an einem Gespräch interessiert, so daß die Frau ihr Gespräch mit sich selbst fortsetzte. Ich versuchte vergeblich, mich auf meine Zeitung zu konzentrieren. 'Ob ich noch meine neue Brille abhole?' An dieser Stelle machte ich den Fehler, einen Blick auf die Frau zu werfen und wurde sofort als willkommenes Opfer auserkoren: 'Die gleiche Brille wie Ihre!' Mir schoß der Gedanke durch den Kopf, daß damit die Brille das einzige Gutaussehende an ihr sei. Obwohl - wahrscheinlich sähe nicht einmal die Brille gut an ihr aus. Meine Gedanken wurden unterbrochen durch ein vorwurfsvolles 'Irgendwas ist daran verkehrt.' Erstaunen auf meiner Seite: 'Was ist daran verkehrt?' 'Es ist verkehrt, wenn zwei Leute die gleiche Brille tragen. Dann verliert die Brille ihre Exklusivität!' Sogar eine Alditüte wirkt exklusiver als meine Brille in diesem Gesicht! Ich zuckte nur mit den Schultern, aber die Frau ließ nicht locker: 'Mir macht das ja nichts aus!' Leicht resigniert entgegnete ich, daß ich ihr kaum noch einmal über den Weg laufen würde, daher auch kein Problem damit hätte. Die Frau erzählte mir noch, daß sie jeden Menschen immer zweimal treffen würde, daß sie schon viele Leute mit der gleichen Haarfarbe wie meiner, aber der echten, getroffen hätte, angefangen bei ihrer Nachbarin bis zu ihrer Zeugen-Jehovas-Frau. Was auch immer sie mit echter Haarfarbe meinte, da ich schließlich meine Haarfarbe gerade erst wieder von rot auf blond - meiner echten Haarfarbe - gewechselt hatte, aber es interessierte mich nicht mehr besonders. Ich war froh, als sie eine Station weiter endlich ausstieg und ich wieder in Ruhe meine Zeitung lesen konnte. Natürlich sind mir auch in Stuttgart eigenartige Leute über den Weg gelaufen, zum Beispiel mein Dozent für Arbeitstechnik, der gerne in der Bahn meditierte. Ich stellte mir damals immer vor, wie er mit angewinkelten Armen, nach oben zeigenden Handflächen und geschlossenen Augen in der Bahn sitzt und mit gleichförmiger Stimme leise 'Ommmm.....' sagt. Dann war da noch die junge Dame, die beim Aussteigen mit ihrem Pumps an der Tür hängenblieb, so daß ihr Schuh genau in den Spalt zwischen Bahn und Bahnsteig fiel. Allerdings war ich die einzige, die beim Anblick der auf einem Bein herumhüpfenden Frau lauthals loslachte. Das eine oder andere Mal muß ich jedoch selber einen lustigen Eindruck auf meine Mitfahrer gemacht haben, da mich das gleichmäßige Schaukeln der Bahn oftmals unverzüglich nach dem Einsteigen in den Schlaf wiegte. Besonders im Gedächtnis ist mir eine Fahrt im Winter geblieben, als ich eine Woche mit sehr wenig Schlaf hinter mir hatte. Ich schaffte es gerade noch, mein Buch aufzuschlagen, aber ein paar Sekunden später war ich schon tief und fest eingeschlafen. Als die Bahn einige Stationen später hielt, schreckte ich entsetzt hoch und sprang von meinem Sitz auf, da ich dachte, ich hätte das Aussteigen vergessen. Auf jeden Fall vergessen hatte ich das Buch, das auf meinem Schoß lag, nun auf den Boden fiel und den Gang entlangschlitterte. Ich spürte deutlich die Blicke sämtlicher Leute im Abteil auf mir ruhen. Sehen konnte ich sie allerdings nicht, da ich angestrengt zu Boden starrte, das Buch wieder aufhob und so schnell wie möglich das Abteil verließ. So wüst aus dem Schlaf gerissen, mußte ich mich draußen auf dem Bahnsteig erst einmal orientieren. Mit Entsetzen stellte ich fest, daß ich eine Station zu früh aus der Bahn gesprungen war. Ich hatte die Wahl, mich den bohrenden Blicken auszusetzen oder auf die nächste Bahn zu warten. Es war Winter und hundekalt draußen. Mit hochrotem Kopf stieg ich wieder in den Zug, ohne die anderen Passagiere eines Blickes zu würdigen. Daß ich nachher auf dem richtigen Bahnsteig noch mein Auto suchte, hat dann zum Glück aber keiner mehr mitbekommen. Und für alle die es interessiert: Meine Brille ist übrigens von Fielmann. |
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