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Index > Geschichten > Eigene Geschichten > In Köln > Bahnfahrt fürs Selbstbewußtsein |
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Bahnfahrt fürs Selbstbewußtsein Manchmal kann auch eine Fahrt mit der Straßenbahn dem eigenen Selbstbewußtsein einen Schlag versetzen. So geschehen, als ich kürzlich mit der Linie 15 auf dem Weg nach Hause war und an der Haltestelle Wiener Platz einer dieser Pseudocoolen mit umgedrehter Baseballmütze und weiter Hose in die Bahn einstieg. Er wirkte irgendwie bekifft oder betrunken, möglicherweise auch beides und war offensichtlich mit einer nicht unerheblichen Portion Selbstbewußtsein gesegnet. Nach und nach fing er an, wirklich jede Frau im Abteil unabhängig von ihrem Alter zu belästigen, indem er sich neben sie setzte, ungefragt auf sie einredete und mit seiner Alkoholfahne umhüllte. Natürlich kassierte er von allen eine Abfuhr, ließ sich aber nicht davon beirren, sondern versuchte sein Glück einfach bei der nächsten. Ich selber saß ganz am Ende des Wagens, so daß ich das Geschehen gut beobachten konnte, und legte mir schon in Gedanken eine passende Antwort zurecht, wenn die Reihe dann an mir war, ihn abblitzen zu lassen. Was könnte die beste Reaktion sein? Ebenfalls eine schroffe Abfuhr, ihn einfach ignorieren oder lieber aufstehen und gehen? Man weiß ja nie so genau, wie diese Typen reagieren, wenn man sie beleidigt. Der Kerl kam immer näher in meine Richtung. Jetzt saß er bei einer eher unattraktiven Mittvierzigerin. Auch sie war nicht interessiert. Vielleicht ist ja auch ein cooler Spruch am passendsten, mit dem ich ihm meine Geringschätzung demonstrieren kann, ihn lächerlich machen oder einfach nur ein kühl-überhebliches Gesicht ohne ein Wort zu sagen. Damit er sich richtig klein fühlt. So überlegte ich, als der Mann schon die blonde Schnitte auf dem Sitz vor mir ansprach. Natürlich ließ auch sie sich das nicht gefallen und schaute stur zum Fenster raus. Nachdem er auch bei der Blonden kein Glück gehabt hatte, stand Mr Fantastic wieder auf. So, jetzt ist die Reihe also an mir, dachte ich und wappnete mich für das, was jetzt gleich kommen würde. Aber ohne mich eines Blickes zu würdigen, drehte sich dieser blöde Kerl um und stellte sich an die Wagentür. Hatte mich einfach ignoriert. Hey! So ein Idiot! Dämlicher Trottel! Was fällt dem eigentlich ein? Hab ich Ausschlag im Gesicht? Dicke Eiterpickel auf der Stirn? Stink ich nach Knoblauch, Zwiebeln oder habe ich Mundgeruch? Sitzt meine Frisur nicht? Zwei Haltestellen weiter stieg der Typ aus und lies mich mit meinem Selbstzweifeln allein. |
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