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Bahnfahren mit der KVB

Was für ein Tag! Schon am Morgen gab es Streit. Der Anlass dazu war so albern, dass ich ihn eine Stunde später fast wieder vergessen hatte. Danach zog sich der Tag hin mit unproduktiven Terminen, hektischem Mittagessen und Kollegen, die partout nicht meiner Meinung sein wollten.

Leicht gereizt stieg ich daher abends in die Straßenbahn. Ich war in Eile und froh, gerade noch die Bahn zu erreichen. Allerdings passierte diese noch nicht einmal die nächste Kreuzung, sondern blieb kurz nach dem Anfahren unvermittelt stehen. Mit knappen Worten teilte uns der Zugführer mit, dass ihn ein Falschparker an der Weiterfahrt hindere. Seufzend stieg ich aus der Bahn und machte mich zu Fuß auf den Weg nach Hause. Momentan schien mir das die bessere Alternative, als auf die nächste Bahn zu warten. Als ich an dem besagten Falschparker vorbeilief, kam mir neben Lack verkratzen, Scheiben einwerfen und Reifen durchstechen auch kurzfristig der Gedanke, warum mir etwas Ähnliches in Stuttgart nie passiert war. Immerhin hatte ich dort ebenfalls zwei Jahre in einer Straße mit oberirdischer Straßenbahn gewohnt. Hier in Köln sind solche Zwischenfälle gang und gäbe, aber Kölner sind eben keine Schwaben.

Mein Fußmarsch zog sich in die Länge. Da ich hungrig war, betrat ich kurzentschlossen eine Bäckerei, um mir etwas Essbares zu besorgen. Ich wählte ein Pflaumen-Teilchen zum erstaunlich niedrigen Preis von 49 Cent. Meine Freude legte sich, als ich beim Hinauslaufen im Augenwinkel noch das Schild 'Gebäck vom Vortag zum halben Preis' entdeckte.

Wieder auf der Straße angelangt, begann ich zu essen. Das Gebäck war trocken und insgesamt mit drei Pflaumenhälften belegt. Bei zweien davon biss ich auf Teile eines Kerns. Die dritte Pflaume fiel mir herunter. Genau in diesem Moment hörte ich von hinten die Straßenbahn heranfahren. Ein abschätzender Blick zur nächsten Haltestelle: Mir fehlten ziemlich genau die fünf Minuten, die ich beim Bäcker zugebracht hatte. Seufzend marschierte ich weiter. Meine Stimmung sank merklich. An der Haltestelle beschloss ich, statt auf die nächste Bahn zu warten, noch eine Haltestelle weiterzulaufen. Zeitlich müsste das reichen, und in der prallen Sonne zu warten, erschien mir nicht so prickelnd. Schon ziemlich missmutig lief ich weiter. Kurz vor der nächsten Haltestelle, bemerkte ich die nächste Bahn. Nicht schon wieder, dachte ich und rannte los. Leise fluchend hörte ich ein metallisches Klirren hinter mir. Als ich mich halb im Laufen umdrehte, sah ich meinen Kugelschreiber auf dem Gehweg liegen. Ein kurzes Zögern, aber ich hatte definitiv keine Lust, noch eine Bahn zu verpassen. Ich rannte weiter und erreichte gerade noch den letzten Wagen. Im gleichen Moment sprang noch ein Afrikaner in das Abteil und reichte mir wortlos meinen Kuli. Ich bedankte mich und schaute ihn an. Er lachte fröhlich und zwinkerte mir zu. Unwillkürlich musste ich grinsen. Und in dem Moment war ich mit diesem Tag wieder versöhnt.

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