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Geschichten
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Index > Geschichten > Eigene Geschichten > In Köln > Ein Besuch beim WDR |
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Ein Besuch beim WDR Köln ist ja als Medienstadt bekannt, in der unter anderem so namhafte Sender wie der WDR, Viva und RTL ansässig sind. So hat man auch als Normalsterblicher die Möglichkeit ins Fernsehen zu kommen, wenn auch nur als Zuschauer, der für dieses Vergnügen keine Gage erhält, sondern Eintritt bezahlen muß. Allerdings kommt es hin und wieder vor, daß zu leere Zuschauerreihen mit eigens dafür angeheuertm Publikum gefüllt werden müssen. Als sparsame Schwaben schien uns dies die bessere Variante, und auch wenn auf diesem Weg selten Karten für so richtig anspruchsvolle Sendungen angeboten werden, ließen wir uns gleich in die Kartei der dafür zuständigen Firma beim WDR aufnehmen. Unsere erste Einladung bekamen wir für die praktisch neue Talkshow von Gaby Bauer. Uns ging es dabei weniger um die Sendung an sich, sondern wir wollten nur eigene Medienerfahrungen sammeln. Daher fanden wir uns kurz vor Einlaß vor den verschlossenen Pforten des WDR ein, lasen das Schild 'Einlaß nur mit Dienstausweis' und klingelten kurzentschlossen beim Pförtner, um uns als Gäste für die Gaby-Bauer-Show anzumelden. Der Pförtner öffnete uns freundlich die Tür und schickte uns zwei Stockwerke tiefer. Etwas verwundert über den lockeren Umgang mit den Sicherheitsvorkehrungen liefen wir den Gang entlang und fanden auch gleich das Treppenhaus. Ein entgegenkommender Sicherheitsmann antwortete auf unsere Frage, daß Gaby Bauer in Studio A aufgenommen werde. Mit dieser Information setzten wir unseren Weg fort. Unten angekommen fanden wir uns in einem langen Flur wieder. Keine Spur von Gaby Bauer. Auch weitere Zuschauer waren nicht zu sehen. Leicht irritiert beschlossen wir, erst einmal die Toiletten aufzusuchen. Die Herrentoilette war schnell gefunden. Die Suche nach der Damentoilette führte mich direkt in Studio B, aber auch hier war keine Menschenseele zu sehen. Nachdem ich schließlich auch die Damentoilette ausfindig entdeckt hatte, hörten wir Stimmen am anderen Ende des Flurs. Ganz eindeutig: Die kamen aus Studio A. Wir nahmen unseren ganzen Mut zusammen und schlüpften durch den dicken Vorhang hinter dem die Stimmen vorkamen, fest davon überzeugt, gleich mitten in eine Aufnahme zu platzen. Der Mann, der uns hinter dem Vorhang entgegenkam, machte auch zumindest einen entsprechend freundlichen Gesichtsausdruck, als er uns entdeckte, und bellte uns in barschem Ton an, was wir hier zu suchen hätten. Wirklich keiner Schuld bewußt, außer der, unerlaubt die Toiletten des WDR benutzt zu haben, erzählten wir, daß uns der Pförtner hierher geschickt hatte. Der Mann, wahrscheinlich der Studio- oder Aufnahmeleiter, eskortierte uns daraufhin persönlich ins Treppenhaus, bis uns der erste Wachmann entgegenkam. Zur Rechtfertigung gab dieser vor, uns für die Kabelträger gehalten zu haben. Ich blickte nur fragend an meinem langen schmalen Rock hinunter. Sehen so Kabelträger aus? Ich verkniff mir einen Kommentar, da der Studioleiter bereits leicht infarktgefährdet wirkte. Nachdem nun unsere unfreiwillige Tarnung aufgeflogen war, wurden wir kurzerhand wieder vor die Tür geschickt. Nach circa zwanzig Minuten Wartezeit draußen in der Kälte durften wir das offizielle Procedere durchlaufen: Mit Unterschrift, Aufsicht auf jeder Etage durch Sicherheitsleute und Abgabe unserer Taschen und Jacken an der Garderobe. Weil wir ja sonst alles mögliche ins Studio schmuggeln könnten, um hinterher den Gast, meistens ein Politiker, mit faulen Tomaten zu bewerfen, wie uns der nette Mann in der Garderobe erläuterte. Unten angekommen, wurden wir direkt in einen Warteraum gelotst, wo wir immerhin mit kostenlosen Getränken versorgt wurden. Aber alles streng abgeriegelt. Keine Möglichkeit mehr, einen Blick durch den Vorhang oder in das andere Studio zu werfen. Oder sich irgendeine beliebige Toilette auszusuchen. In der Sendung selber saßen wir gut sichtbar 2. Reihe Mitte. Voller Enthusiasmus, denn schließlich war es unser erstes Mal, und wir dachten noch, ein Besuch im Fernsehen wäre immer so spannend. Mittlerweile sind wir ja schon alte Hasen geworden. Ich hoffe nur, daß der Pförtner keinen Ärger bekommen hat. War ja nur nett von ihm, uns mal alleine in ein Fernsehstudio hineinzulassen. |
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