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Daniels Marotten oder die etwas andere Liebesgeschichte

In meiner Familie hatte Lesen eigentlich immer einen hohen Stellenwert. Meine Eltern besitzen unzählige Bücher, mein Vater liest zwei Tageszeitungen, hat momentan noch eine Wochenzeitung abonniert und auch meine Geschwister und ich lesen ausgesprochen gerne (vielleicht mit Ausnahme von meinem Bruder, der in seiner Jugend meines Wissens etwa drei Bücher besaß, die er aber auch alle gelesen hat). Regelmäßiges Lesen ist also durchaus nichts Ungewöhnliches für mich.

In dem Ausmaß, wie es Daniel betreibt, war es allerdings trotzdem eine neue Erfahrung für mich. Daniel hat ein ganz besonders Verhältnis zum Lesen im allgemeinen, aber im besonderen zu seiner Zeitung, was schon gleich zu Beginn unserer Beziehung eine erste Krise auslöste, als Daniel in meiner Wohnung zum ersten Mal begann, seine Zeitung auszubreiten. Wenn er die neueste Ausgabe in Händen hält, wird diese erst einmal nach einem ausgeklügelten System sortiert. Um die Zeitung etwas leichter zu machen, werden sämtliche Anzeigen- und Werbeseiten entfernt. Dies sind übrigens auch die einzigen Seiten, die Daniel grundsätzlich nicht liest. Anschließend wird der verbleibende Rest danach sortiert, wie aktuell der Inhalt ist oder ob ein Artikel gegebenenfalls auch nach ein paar Tagen noch gelesen werden kann, ohne an Aktualität zu verlieren. 'Nichts ist so alt wie eine Zeitung von gestern,' dachte ich, was aber von Daniel durch zahlreiche Argumente unter Hinzuziehung von praktischen Beispielen einwandfrei wiederlegt wurde.

Wenn Daniel seine Zeitung dann sortiert hat, verteilt er sie in der Wohnung und liest sie. Überall. Selbstredend, daß bei uns im Bad immer etwas zum Lesen griffbereit liegt. Aber nicht nur für die Toilettensitzung oder in der Badewanne, sondern auch beim Zähneputzen und Rasieren. Nicht nur im Bad wird die Zeitung verteilt, sondern in der gesamten Wohnung. Als ich einmal eine Blume aus unserem Wohnzimmer auf den Balkon in den Regen stellte und sie am nächsten Tag wieder zurück an ihren Platz bringen wollte, war der Hocker für die Pflanze bereits mit einem hohen Zeitungsstapel belegt. Daniel liest auch beim Kochen, beim Massieren, wahrscheinlich würde er sogar.....aber lassen wir das.

Als Bahnfahrer bietet sich die Zeit in der Straßenbahn natürlich bestens zum Zeitunglesen an. Leider bin ich im Gegensatz zu Daniel meistens sehr gesprächig, wenn wir zusammen in der Bahn sitzen. Während ich also die Highlights des Tages erzählen muß, hält sich Daniel krampfhaft an seiner Zeitung fest und läßt meinen Redefluß mit leicht gequältem Blick über sich ergehen, ohne mich zu unterbrechen. Denn das würde das Gespräch nur weiter in die Länge ziehen und ihn vom Zeitungslesen abhalten.

Seine Zeitung behandelt Daniel immer äußerst liebevoll und es wird alles gelesen. Erst wenn er jeden noch so kleinen Artikel verschlungen hat, fliegt die Seite achtlos hinters Bett bis ich sie irgendwann in die Altpapierkiste werfe. Liegen aber scheinbar achtlos irgendwelche Papierschnipsel herum, dürfen diese auf keinen Fall weggeworfen werden, da auf diesem winzigen Zettel garantiert der Titel eines interessanten Buchs oder eine Website angegeben ist, die Daniel sich unbedingt ansehen muß.

Sogar Nichten und Neffen haben mittlerweile festgestellt, daß Daniel in Bezug auf seine Zeitung äußerst schrullig ist. Viel schlimmer ist allerdings, daß wir erst seit 2 1/2 Jahren zusammenleben, ich aber bestimmt schon die Hälfte seiner Marotten übernommen habe.

Daniels 2. große Liebe gilt ebenfalls nicht mir, sondern dem Computer. Da kann er mitten in der Nacht noch einmal aus dem Bett aufstehen, nur weil ihm etwas eingefallen ist, das er dringend am Rechner erledigen sollte. Allerdings muß ich zugeben.....genau das gleiche habe ich gerade selber getan - um diese Geschichte aufzuschreiben. 

 

Daniel beim Zeitunglesen

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